Silvesterglanz in Baden-Baden
Samstag, 3. Januar 2026
Der polnische Tenor Piotr Beczała beschloss das Jahr mit einem strahlenden Silvestergalakonzert im Festspielhaus Baden-Baden unter dem Titel Eine spanische Nacht. Sein Auftritt bestätigte einmal mehr, warum er als einer der führenden lyrischen Tenöre unserer Zeit gilt — mühelose stimmliche Souveränität verbunden mit einer Ausdrucksnuance, die das Publikum von der ersten Phrase an gefangen nahm.
Das Konzert Silvesterglanz — Teil des festlichen Programms des Festspielhauses — bot ein reich gefächertes spanisches Repertoire von Bizets Carmen über Tänze von de Falla bis zu Orchesterhöhepunkten wie dem Danzón Nr. 2. Beczałas Stimme bestach durch strahlende Präsenz und fein abgestufte Dynamik und füllte den großen Saal mit einem Klang, der zugleich kraftvoll und von intimer Mitteilsamkeit war.
Marko Cirkovic schrieb im Wochenblatt Reporter: „Piotr Beczała — ein Tenor, bei dem jedes Lob, das mit dem Wort ‚groß‘ beginnt, sofort seine Bedeutung verliert. Er gehört zur absoluten Spitze, und an diesem Nachmittag zeigte er jene Qualität, die Rang in Legende verwandelt: eine reife, edle Stimme, getragen von einer Technik, die nicht nach Brillanz strebt, sondern einfach funktioniert — und gerade deshalb umso mehr fesselt.
Da ist zunächst die mühelose Tragfähigkeit, mit der er den weiten Saal nicht nur erreicht, sondern vollständig ausfüllt: ein Klang, der nicht drückt, sondern strahlt; der Präsenz besitzt, ohne je hart werden zu müssen. Und dann sind da die leisen Töne — jene beinahe unhörbare Qualität, die dennoch elektrisiert, gerade weil sie so vollkommen gehalten ist: reine Atemführung, reine Spannung.
Wie er Crescendi aufbaut, wie er musikalische Linien dehnt, wie er eine Phrase nicht ‚drückt‘, sondern organisch wachsen lässt, ist wahrhaft unerreicht. Jedes Crescendo wirkt organisch, jede Nuance hat Gewicht, jedes Pianissimo hat Tiefe. Was man erlebt, ist nicht bloß Gesang, sondern die Kunst des Erzählens durch Klang — eine Kunst, die den Raum in ein einziges, tiefes Erlebnis verwandelt. Ein festlicher Konzertabend wie dieser erblüht wirklich in solchen Momenten — und Beczała verleiht ihnen eine Intensität, die einem fast den Atem nimmt. Ein Gefühl der Freude lässt sich kaum unterdrücken.“
Begleitet wurde Piotr Beczała von der Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Timur Zangiev, an seiner Seite die fantastische Mezzosopranistin Aigul Akhmetshina. Der Abend verband opernhaften Glanz mit leuchtenden Orchesterfarben, und das Publikum nahm ihn mit echter Herzlichkeit auf — als Feier nicht nur eines Konzerts, sondern eines gemeinsamen musikalischen Glücksmoments zum Jahreswechsel.
Foto: Manolo Press / Michael Bode
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